Weite Schritte trabt das Ross. Beritten eines finsteren Mannes in dunklen Gewändern. Still in regnerischer Nacht schreiten sie voran, denn suchend ist der Herr und weit ist er schon gereist und noch immer nicht am Ziel. Etwas treibt ihn voran, etwas in ihm, tief in seiner Seele, seinem Herzen. Ein Verlangen das er erst genau deuten kann, wenn er gefunden hat was ihn dazu gebracht sich auf den Weg durch die weite Welt zu machen. Er zieht eine Taschenuhr aus seinem großen, schon abgenutzten Mantel, und wirft einen beunruhigten Blick darauf. So viel Zeit schon verstrichen, seit Stunden ist er nun schon wieder auf den Beinen und er und sein edler Begleiter brauchen Ruhe. Er reitet die Straße weiter und macht an einer kleinen Bar halt. Nachdem er sein Ross unter dem Vordach festgebunden hat schreitet er müde durch die Schwenktür und begrüßt den Mann hinter der Theke mit freundlichem Gruße. "Sehr geehrter Herr des Hauses, ist noch ein Zimmer frei für diese Nacht, sodass ich mich ausruhen kann?" "Sie haben Glück. Ein kleines, recht Einfaches kann ich ihnen anbieten. Es kostet sie fünf Silberstücke die Nacht." antwortet der leicht rundliche Besitzer der Kneipe. Er ist nicht mehr der Jüngste und man sieht die Jahre an seinem grauen Haar und an den Falten, die sich schon leicht über sein Gesicht ziehen. "Hier sind Zwölf. Ich bleibe zwei Nächte und hätte jetzt noch gerne einen Whiskey bevor ich mich zu Bett begebe", entgegnet der späte Besucher. "Was führt Sie in diese abgelegene Gegend", fragt der Kneipenbesitzer während er ihm einschenkt. "Ich bin nur auf der Durchreise, denn ich suche Etwas." "Ach ja? Und was ist das wenn man fragen darf?" "Das weiß ich erst, wenn ich es gefunden habe." Der Gast trinkt seinen Whiskey leer, steht auf und schlendert Richtung Treppe. "Welches Zimmer?" "Nummer 3 der Herr, angenehme Nacht."
Die Tür hinter sich geschlossen setzt sich Frank auf das Bett, legt die Hände ins Gesicht und lässt sich in stillen Gedanken nocheinmal den Tag durch den Kopf gehen. Um fünf Uhr in der Früh ist er gestern hektisch aufgebrochen, nachdem er einen seltsamen Traum hatte. Er hat nur schnell das Nötigste zusammen gepackt, seinem Pferd das Zaumzeug umgeschnallt und ist losgeritten ohne zu wissen warum er dies eigentlich tut. Aber in der letzten Nacht ist er im Schlaf einem Mann begegnet, zumindest glaubt er, dass es einer gewesen ist, und dieser hat ihm Fragen über sein Leben gestellt. Fragen, die Frank so erstaunt und so überwältigt haben, da sie so tiefgründig und zugleich wahr waren, dass er angefangen hat über jene Fragen nachzudenken. Ist er denn wirklich glücklich mit seinem Leben? Zufrieden mit dem was er hat und was er ist? Ein Mann, der inzwischen 24 Jahre alt war und noch immer in seiner Heimat lebte. Das einzige worin er wirklich gut ist, ist die Jagd und das Talent zu Kämpfen. Beides hat ihm vor vielen Jahren sein Vater beigebracht, als er noch ein kleiner Junge war. Damals, er war gerade elf geworden, hat ihn Vater das erste Mal mit auf die Jagd genommen. Er hat ihm ein Gewehr in die Hand gedrückt und gesagt "Dies ist das Gewehr deines Großvaters. Es ist zwar nur ein Einfaches, aber es ist zuverlässig. Sei vorsichtig damit, denn wenn du nicht Obacht gibst, kannst du damit dir und anderen Menschen, die dir Lieb sind, schlimmes Leid zufügen." So brachte er ihm bei, wie man sich versteckt und auf die Lauer legt. Wie man sich langsam seinem Ziel nähert, ohne es auch nur annähernd ahnen zu lassen, dass es bereits in großer Gefahr ist und bald eine tödliche Kugel dessen Leib durchdringen wird. Er brachte ihm bei wie man in freier Natur überlebt, sich nur von Früchten, Pilzen, Wurzeln und anderen Vorkommen im Wald ernährt. Wie man Fallen baut und sie effektiv gegen große und kleine Tiere einsetzen kann. Vieles hat er von ihm gelernt und doch ist es nun schon so lange her. Niemals wird er den Tag vergessen an dem er mit seinem Vater wieder einmal tief in den Wäldern auf der Jagd war, wo dieser plötzlich von einem großem Bär angegriffen wurde. Der kleine Junge nahm seine Waffe und schoss, schoss und schoss noch einmal. Das große Tier ging zu Boden und Frank stürzte zu seinem Vater, der auf dem feuchtnassem Boden des Waldes verletzt zusammengebrochen war. Er blutete und Frank bemerkte, dass sein Vater nicht mehr atmete. Der Bär hat ihn zweimal im Gesicht und einmal an der Brust getroffen. Beide Stellen waren von großen Fleischwunden überseht. Frank konnte gar nicht realisieren was gerade passiert war. Er fing an zu brüllen und zu schreien. Tränen ergossen sich über sein Gesicht. "Vater! Vater! So wach doch auf!" Doch auch die kleinste Bewegung blieb aus und als dem Jungen, bewusst wurde, dass sein Vater tot war, entfesselte sich ein Zorn und ein Hass von ungeahntem Ausmaß in ihm. Er lud sein Gewehr nach und schoss erneut auf den schon toten Bären. Er schoss und schoss immer weiter bis seine Waffe erneut nur ein Klicken von sich gab. Schluchzend trat er erneut über den Leib seines Vaters und schrie vor lauter Verzweiflung, dass er ganze Wald es zu hören vermochte. Seine Glieder wurden wackelig und er konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten. Er fiel hin und auf einmal begann alles um ihn herum schwarz zu werden.
Er blickt auf und wischt sich eine Träne von der Wange, als er zurück in die Gegenwart gekommen war. Ja, er möchte seinen Sinn finden. Seine Bestimmung. Das was ihm der Mann in seinem Traum klar machen wollte. Deshalb ist er gestern Morgen aufgebrochen um hinaus die Welt zu reisen und zu finden was für ihn bestimmt sei.
Er zieht sich die Stiefel von den Beinen stellt sie neben die Kommode, legt seine Waffe auf den Nachttisch und knipst das Licht aus.
Samstag, 24. Oktober 2009
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